Am 03. Dezember 2019 hat der PZV-DO e.V. sein Debüt zu der Veranstaltungsreihe „Der PZV-DO e.V. lädt ein“ mit einem Workshop zum Thema „Patientenlotsen: Ein Ziel – viele Modelle“ gegeben. Veranstaltungsort ist die Johanniter Klinik am Rombergpark in Dortmund gewesen.

Die Zusammenfassung der Ergebnisse können Sie hier als Datei herunterladen. Die Präsentation des Inputs zum Projekt STROKE OWL können Sie hier herunterladen.

Der PZV-DO e.V. ist eine Initiative, die Patientenzentrierung in den Mittelpunkt des Handelns in der Gesundheitsversorgung stellt. Ziel des Vereins ist die Etablierung einer sektoren-, ein-richtungs- und professionsübergreifenden Zusammenarbeit, um die Versorgung chronisch Kranker zu verbessern. Zu den Aufgaben des PZV-DO e.V. zählen u.a. der Aufbau und die Pflege eines Netzwerks, mit dem gemeinsam Lösungsstrategien erarbeitet werden sollen. Die Arbeit des Netzwerks ist zum Wohle aller Patientinnen und Patienten ausgerichtet. Mitwirken können alle Organisationen oder Privatpersonen, die an der Verbesserung der Gesundheits-versorgung im Raum Dortmund interessiert sind.

 

 

Workshop: Patientenlotsen: Ein Ziel – viele Modelle

Lotsenmodelle, Case Management, Patientencoaches etc. sind weit verbreitet und verbergen Themen, die viel Schnittmenge aufweisen.
Im Fokus steht dabei immer, dass Menschen, die von Krankheiten betroffen sind, nicht alleine ihren Weg durch das System der möglichen Versorgungsangebote finden müssen, sondern kompetente Ansprechpartner und Berater an die Seite gestellt bekommen.
Eine gute Übersicht über bereits bestehende Angebote – auch in Deutschland – bietet hierbei die IGES „Studie zum Versorgungsmanagement durch Patientenlotsen“. In der Studie wird genau diese Schnittmenge, aber auch die Unterschiede und damit Grenzen von Lotsenmodel-len ersichtlich.

In diesem ersten Workshop der Veranstaltungsreihe ist sich der Frage genähert worden, wie Lotsenmodelle ausgestaltet sein müssen, damit sie für ALLE Patientengruppen entsprechend ihres individuellen Bedarfs zugänglich sein können.
Dazu ist ein Lotsenkonzept vorgestellt worden, das schon sehr umfassend umgesetzt ist. Die-ses sollte als Beispiel dienen, wie solche Modelle überhaupt ausgestaltet sein könnten.
Danach hat es einen interaktiven Austausch in kleineren Gruppen gegeben, um bestimmte Gedankengänge zu vertiefen und in die Diskussion miteinander zu kommen.
Im Nachhinein sind die Diskussionsaspekte zusammengetragen worden, um ein rundes Bild im Ergebnis zu sehen.

Als Grundlage für den interaktiven Austausch hat Nora Hermanns, Schlaganfall-Lotsin am Ev. Klinikum Bethel (Bielefeld), einen Impulsvortrag zu ihrer Arbeit als Schlaganfall-Lotsin inner-halb des Innovationsfondsprojektes STROKE OWL vorbereitet. Das Projekt hat die Versor-gungsform der Schlaganfall-Lotsen konzipiert, ist dabei momentan in der Erprobung und evalu-iert zudem die Effekte für die Versorgung in Bezug zu den Patienten und die ökonomische Seite. Spannend für den Workshop ist hier vor allem die Erfahrung aus Sicht der Schlaganfall-Lotsin sowie die Perspektive der Betroffenen gewesen.

Das Tätigkeitsprofil eines Schlaganfall-Lotsen bei STROKE OWL

Mit dem Projekt STROKE OWL ist ein Care- und Case-Managements durch 17 Schlaganfall-Lotsen in Ostwestfalen-Lippe eingeführt worden. Die Schlaganfall-Lotsen nehmen Patienten schon auf der Stroke Unit in das Projekt auf und begleiten diese für 12 Monate durch alle Pha-sen der Versorgung. Das heißt, dass die Lotsen den Prozess von der Akutstation bis in die Nachsorge einschließlich von Rehabesuchen, Hausbesuchen sowie regelmäßiger Telefonkon-takte begleiten. Die Versorgungssituation wird durch individuelle, empathische und professio-nelle Begleitung optimiert.
Die Abbildung zeigt die Tätigkeit einer koordiniert-vernetzten Versorgung nach einem Schlag-anfall durch einen Schlaganfall-Lotsen:

Aktuelle Herausforderungen für die Schlaganfall-Lotsen bestehen innerhalb des Gesundheits-systems durch unterschiedlichste Verantwortungen und Hierarchien innerhalb der Versor-gungskette. Außerdem bauen die Lotsen die erforderlichen regionalen Netzwerke auf und be-treuen parallel innerhalb des STROKE OWL Projekts durchschnittlich bis zu 80 Patienten zeit-gleich. Ziel ist es, dass die von den Lotsen, in Absprache mit dem Hausarzt, erarbeitete All-tagsroutine auch nach Ausscheiden aus der Betreuung von den Patienten weitergeführt wird.

Das STROKE OWL Projekt soll anhand einer wissenschaftlichen Evaluation den Nutzen des Lotseneinsatzes belegen und die tatsächlichen individuellen Bedürfnisse der Schlaganfall-Betroffenen aufzeigen.
Die Relevanz der Sekundärprävention ist den meisten Schlaganfall-Betroffenen nicht bewusst. Oft fehlt das Wissen darüber, so dass Präventionsmaßnahmen, wie z. B. die regelmäßige Me-dikamenteneinnahme, nicht eingehalten werden.
Hierbei sind Lotsen von enormer Bedeutung, da sie den Patienten individuell aufklären und die Präventionsmaßnahmen individuell koordinieren und unterstützen.

Interaktiver Austausch

Mit der Vorstellung des Lotsenkonzeptes aus zwei Perspektiven (Lotsin und Patienten) als Grundlage hat innerhalb des Workshops ein interaktiver Austausch in zwei Gruppen stattge-funden. Um gemeinsam wichtige Eckpunkte für ein gut funktionierendes Modell herauszuarbei-ten, das nicht nur auf die Einzelindikatoren, sondern Krankheitsbildunabhängig zum Einsatz kommen kann, ist den Gruppen die Fragestellung „Wie müssten Lotsenkonzepte ausgestaltet sein, damit sie für ALLE Patientengruppen entsprechend ihres individuellen Bedarfs zugäng-lich sein können?“ an die Hand gegeben worden.
Dabei ging es darum, den Gedanken freien Lauf zu lassen, sodass ein gemeinsames Brainst-orming zum Betrachten von Ideen aus unterschiedlichen Perspektiven entstehen zu lassen.
Danach sind wichtige Botschaften im Plenum vorgestellt und diskutiert worden.

Ergebnisse:

Zielgruppe
Die Zielgruppe besteht aus Personen mit gesundheitsbedingten Teilhabeeinschränkungen und findet sich in unterschiedlichen Sozialräumen. Als Merkmal kann ein komplexer Versorgungsbedarf genannt werden, wobei hier zu klären gilt, wie genau diejenigen mit einem entsprechenden Unterstützungsbedarf identifiziert werden können.

Inhalte und Ziele
Lotsen sollen als stetige Ansprechpartner fungieren und eine koordinierende Funktion haben. Dadurch soll eine bestmögliche Versorgung des Patienten und Vermeidung von Überversorgung gewähreistet werden. Ziel ist die Wiederherstellung von Teilhabe, durch die sinnvolle Inanspruchnahme von Leistungen zum richtigen Zeitpunkt.

Zugang
Die Angebote sollten über den Sozialraum zugänglich gemacht werden, bspw. durch Gesundheitsversorger und das Quartier. Dazu sollte der Lotse räumlich verordnet sein. Eine weitere Möglichkeit wäre der Zugang über die Selbsteinschätzung der Betroffenen oder Angehörge. Generell sollten Angebote niederschwellig sein und gefiltert werden. Es sollte ein Versorgungsnetzwerk entstehen, aus dem der (individuelle) Bedarfsfall identifiziert werden. Offene Fragen hierbei sind: Gibt es solche Netzwerke? Wer koordiniert das Netzwerk?

Qualifikation
Lotsen sollten eine gesundheitsbezogene Vorbildung haben und ggf. Sozialarbeiter sein. Zudem würden Netzwerkkenntnisse und Wissen über Sozialstrukturen vorhanden sein.

Es wäre wahrscheinlich ein Lotse nötig, der Träger- und SGB-übergreifend agieren kann.

Die Ergebnisse des interaktiven Austauschs sollen in folgender Abbildung visualisiert werden:

Eine ganzheitliche Lösung kann im Rahmen eines Workshops selbstverständlich nicht gefun-den werden. Dennoch hat der interaktive Austausch gezeigt, dass Lotsenkonzepte für die Ent-wicklung von Versorgungsstrukturen an Relevanz zunehmen. Grund hierfür ist vor allem, die Abbildung der individuellen Wünsche und Bedürfnisse der Betroffenen.
Die patientenzentrierte Versorgung spielt nicht nur in Bezug auf Lotsenkonzepte eine wichtige Rolle, sondern auch in vielen anderen Bereichen des Gesundheitswesens. Aus diesem Grund legt der PZV-DO e.V. den Fokus auf Patientenzentrierung in vielen unterschiedlichen Bereichen, die innerhalb der nächsten Veranstaltungen der Reihe „Der PZV-DO e.V. lädt ein“ the-matisiert werden sollen.